Mittlerweile existieren zahlreiche Definitionen von Erlebnispädagogik, da es eine große Bandbreite an Anbietern gibt, die Aus-und Fortbildungen in diesem Bereich anbieten.

 

Letzten Endes gibt es so viele Definitionen von Erlebnispädagogik wie es Menschen gibt, die mit Erlebnissen pädagogisch arbeiten.

 

Mit unserem Verständnis von Pädagogik veranschaulichen wir Ihnen unser Menschenbild, unsere Haltung und unsere Handlungen in pädagogischen Prozessen.

 

Für uns ist Erlebnispädagogik eine handlungs- und prozessorientierte (Herzens-) Intervention, mit der unsere Trainer*innen systemische Impulse zur Entwicklung der (Gruppen-) Persönlichkeit in unmittelbaren Räumen anbieten.


  • handlungsorientiert oder „Learning by doing“

„Leben ist nicht atmen, leben ist handeln“ Jean-Jacques Rouesseau

 

Wenn wir jedoch nicht atmen, können wir auch nicht handeln…

 

Wir lernen unsere Umgebung (und uns selbst) über unsere Handlungen kennen. Unseren Trainer*innen von Koru liegt es deshalb daran, die individuellen Ziele unserer Kunde/*innen auf praktischem Weg erfahrbar zu machen.

 

Sieht unser/e Auftraggeber*in (und bestenfalls auch die gesamte Gruppe) etwa die Kommunikation, die Absprachen oder das Vertrauen untereinander als Herausforderung an, schaffen wir reale Anlässe, um diese Kompetenzen mit Leben zu füllen.

 

Um Ihren Zielen Leben zu schenken, braucht es „Räume“.

Unsere Rolle verstehen wir deshalb auch als Gestalter und Begleiter von Lernprozessen. In der Kreation dieser Räume folgen wir der Vorstellung von Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), Theoretiker, Handwerker und Erzieher in Zeiten der Aufklärung. Er forderte, dass weder Lernprozesse noch Lernfelder vom Erzieher gestört werden sollen.[1]

 

Wenn auch Rousseau seine eigenen Pflichten als Vater nicht erfüllte, ist seine Theorie für unsere Arbeit wertvoll. So nutzen wir seine Ideen etwa in unserem Angebot der „Naturerfahrung mit allen SInnen“. Wir sind der Annahme, dass die Natur uns alle Antworten auf unsere Fragen gibt, weshalb es bei dieser Aktivität von unserer Seite keine Intervention braucht.

 

Würden wir uns allerdings komplett aus dem Erlebnis unserer Teilnehmer*innen raushalten, vernachlässigten wir unsere „Pädagogik von Herzen“: Wir begleiten unsere Teilnehmer*innen liebevoll und achtsam auf ihrem Weg. Darüber erkennen wir, welche Intervention oder welches Angebot der/die Einzelne bzw. die Gruppe braucht.

 

Ein Erlebnis kann durch Reflexion zu einer Erfahrung werden und erweiterte Handlungskompetenz ermöglichen. Nun ist das Erlebnis in der Lage, Persönlichkeitsentwicklung anzustoßen. Ob dies geschieht, hängt von der Bereitschaft des Individuums ab, sich mit dem Erlebnis auseinander zusetzen. Damit das Potential für Entwicklung möglichst groß ist, öffnen wir den Raum für Reflexion und laden immer wieder von neuem dazu ein, sich mit den Erlebnissen auseinanderzusetzen. Diese Auseinandersetzung beruht dabei auf Freiwilligkeit.


[1] vgl. Rousseau, (1975): S.41.


  • prozessorientiert

  Jeder Weg braucht ein Ziel.

 Und jedes Ziel braucht einen Weg.

 Wer sich auf den Weg macht, findet das Ziel.

 

Jeder Weg braucht ein Ziel.

Beginn unseres pädagogischen Wirkens sind die Wünsche unserer Auftraggeber*innen. Sie offenbaren uns damit, wohin Sie mit Ihrer Gruppe gehen möchten.

 

Und jedes Ziel braucht einen Weg.

Ihre Zielvorstellungen führen uns auf einen Weg der Planung und Gestaltung. Hierbei stecken wir gemeinsam mit Ihnen die Rahmenbedingungen ab und wählen konkrete Methoden und Medien aus. Gemeinsam konstruieren wir so zusammen eine möglichst hohe Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung bzw. Wunscherfüllung. 

 

Wer sich auf den Weg macht, findet das Ziel.

Da wir prozessorientiert arbeiten, können auch während der Durchführung neue Ziele der Gruppe bzw. der Auftraggeber*innen entstehen. Wichtig ist, dass dieser Kurswechsel von allen angenommen wird. Dafür braucht es Kommunikation, braucht es Austausch mit unseren Teilnehmer*innen und den Auftraggeber*innen auch während des Angebotes.

 

Wir gleichen dadurch unsere Planungen mit den situativen Bedürfnissen, Wünschen und Zielen ab und verändern gegebenenfalls den Kurs mit Ihnen.


  • Intervention

Unter einer Intervention verstehen wir ein achtsames „in den Kreis treten“- Hinein in einen Prozess der Persönlichkeits- und Gruppenentwicklung.

Indem wir „dazwischen- “ oder „in den Kreis treten“, haben wir die Möglichkeit, unseren Teilnehmer*innen Unbewusstes bewusst zu machen. Sei es in Ihrem Verhalten oder in den Erlebnissen durch unsere Angebote.

 

Grundsätzlich hat jedes Erlebnis das Potential, zur Erfahrung zu werden, zur Persönlichkeitsentwicklung beizutragen und die Handlungskompetenz zu erweitern. Ob dies geschieht, entscheidet jeder Mensch als selbstständiges System für sich.

 

In der Begleitung vor, während und nach einem (erlebnispädagogischen) Erlebnis unterstützt die Intervention in Form der Reflexion dieses Potential. In der Begleitung zurück in den Alltag geben wir unseren Teilnehmer*innen über das freiwillige Angebot zur Reflexion die Möglichkeit, ihre Erlebnisse bewusst zu machen.

 

An welchem Punkt unserer Angebote wir eine Reflexionsmöglichkeit anbieten, entscheiden wir nach dem Prozess der Gruppe.


  • systemische Impulse

Entwicklung geschieht über Lernen. Unglücklicherweise ist der Begriff des Lernens primär in Schule verortet und als Speicherung von Faktenwissen verstanden.

Wir sind demgegenüber der Ansicht, dass alle Menschen geschlossene System sind, die eine eigenständige Konstruktion der Wirklichkeit haben. Diese Konstruktion, also die Sicht auf das Leben, ist bei jedem Menschen verschieden.

Den Lernbegriff verstehen wir demnach als einen Prozess, in dem das Gehirn selbst entscheidet, wie welche Situationen zu bewerten sind. Das Gehirn konstruiert dabei aktiv und individuell. Es ist demnach ein selbstreferentielles System.[1]

 

Diese konstruktivistische Sichtweite ist herausfordernd.

Zum einen ist das System ‘Mensch‘ demnach prinzipiell nicht zugänglich und unsere Impulse wären wirkungslos. Allerdings gibt es den Moment der Pertubation, was Störung, Unruhe, Verwirrung bedeutet.

Ausreichend neuartige Impulse bringen das System der Wirklichkeit eines Menschen durcheinander und eine Grundlage für die Integration neuer Verhaltensalternativen ist gegeben.

 

Zum anderen kommt bei unseren Angeboten die Wirklichkeit des Auftraggebers, der einzelnen Teilnehmer*innen und der Gruppe, mit der Wirklichkeitskonstruktion von uns Trainer*innen zusammen.

 

Dieser Herausforderung begegnen wir im Vorhinein bei der Wunsch- und Auftragsklärung mit unseren Auftraggeber*innen. Wünschenswert ist, dass sich die gefundene Zielvorstellung mit dem Wunsch der Gruppe deckt.

 

Systemisch zu arbeiten bedeutet für uns ebenso, über unseren Kopf, Herz und Hand während den Aktionen bewusst zu sein. So kann es aus Sicht etwa einer Schulklasse ausreichend sein, sich weniger zu beleidigen, während von der Seite von uns Trainer*innen weitere Impulse in Richtung eines funktionierenden Teams notwendig wären.

 

Diese konstruktivistische Herangehensweise ist für uns Herausforderung und Chance zugleich.

Herausfordernd in dem Sinne, als dass es DAS Vorgehen, DIE Entscheidung, DAS Programm für uns nicht geben kann. Die Chance besteht für uns darin, unsere Teilnehmer*innen auf ihrem individuellen Weg begleiten zu können und es ihnen ermöglichen, mitzunehmen was auch immer gerade für sie stimmig ist.


[1] vgl. Rutkowski, M. (2015): S. 19.


  • Impulse

Dieses Modell geht von drei Zonen des menschlichen Befindens aus.

 

1. Komfortzone

 

2. Lernzone

 

3. Panikzone

 

 

 Komfortzone

Jeder Mensch hat einen Raum, in dem er sich wohlfühlt, in dem alles bekannt ist.

 

Dies kann der gewohnte Alltag mit seinem bekannten Ablauf sein. Umgeben sind wir hier von Menschen, die wir kennen: Beispielsweise ein/e Lebenspartner*in oder die Familie. Auch der Schulalltag mit den bekannten Lehrern lässt auf Dauer so etwas wie „Komfort“ entstehen.

 

Alles geht seinen gewohnten Gang- als ob wir auf unserer Couch sitzen und uns in einer Tüte Chips und den täglichen Geräuschen des Fernsehers vergessen.

 

Lernzone

In dieser Zone kommt etwas Neues, Unbekanntes hinzu. Für den Menschen auf der Couch vielleicht ein aufregender Beitrag im Fernsehen.

 

Oder in einem erlebnispädagogischen Zusammenhang ein Impuls mit Potential, die Persönlichkeits- bzw. Gruppenentwicklung anzufachen. Dies geschieht darüber, dass ein Angebot, die Umgebung oder sogar die Präsenz einer neuen Person in einer Gruppe bislang Bekanntes durcheinanderwirbelt, irritiert, pertubiert.

 

Neue Eindrücke versetzen das Gehirn in einen Zustand der Unruhe; Es kann auf die neuen Impulse nicht mehr mit gewohnten Verhaltensweisen reagieren.

 

Ein einfaches Beispiel ist schon die erste Begegnung mit der Gruppe. Wir Trainer*innen sind bis zum Zeitpunkt für die Gruppe unbekannt. Mit der Präsenz der neuen Person im Raum ist bereits ein neuer Impuls vorhanden. Gesteigert noch durch eine Veränderung des Settings, also der Umgebung, vom (Klassen- oder Gruppen-) Raum ins Freie erzeugt diese Veränderung eine erhöhte Sensibilität und führt zu Wachsamkeit.

 

Solch neuartige Bedingungen versetzen das Gehirn in einen wachen Zustand und es kann „neue Aktivierungsmuster zu einem neuen inneren Bild zusammenfügen.“[1]. Eine Grundvoraussetzung für Entwicklung ist gegeben.

 

Schaffen wir es etwa über unser Menschenbild, unsere Haltung oder unsere Handlungen die bisherige Sicht des Lebens unserer Teilnehmer*innen zu verwirren, ist eine Entwicklungschance und der Beginn eines Prozesses geboren.

 

Panikzone

Übersteigt eine neue Situation das Bekannte um ein Vielfaches, und ruft Stress oder gar Angst hervor, fällt das Gehirn in ältere, bereits erlernte Muster/Verhaltensweisen zurück. Wir machen „zu“, sind wie gelähmt und verschließen uns vor der Möglichkeit, Neues anzunehmen.

 

Die Grenzen dieser drei Zonen sind allerdings bei jedem Menschen verschieden.

Während sich jemand im Freien wohl und geborgen fühlt, kann dies für eine andere Person eine Grenzerfahrung bedeuten.

Uns ist es daher wichtig, sensibel auf die persönlichen Grenzen unserer Teilnehmer*innen einzugehen. Im gleichen Maße möchten wir die Teilnehmer*innen mit unserer Arbeit für die eigenen Grenzen sensibilisieren.

 

Um allen die Möglichkeit zu geben, sich wohlzufühlen, bereiten wir einen offenen Rahmen vor, der sicherstellt, dass sich alle auf das Neue einlassen können. Ehrlichkeit, Wertschätzung und die Freiheit von jeglichem Gruppen- und Leistungsdruck sind für uns dabei erfahrungsgemäß wichtige Eckpfeiler.[2]

Zudem brauchen wir Fingerspitzengefühl und eine stetige Verbindung mit unseren Teilnehmer*innen, um adäquat auf die besondere Situation reagieren zu können.


[1] Hüther, G. (2014): S.24.

[2] vgl. Rutkowski, M. (2015): S. 29.


  • Entwicklung der (Gruppen-) Persönlichkeit

In einer Gruppe geschieht Entwicklung immer gleichzeitig auf individueller sowie auf der Gruppenebene. Entwicklung findet hier über soziales Lernen statt.

 

Gegenstand des sozialen Lernens ist die Beziehung zu anderen und das Lernen in abstrahierten Handlungssituationen. Dadurch entstehen neue Verknüpfungen im Gehirn.

 

Für unsere Impulse im Kontext einer Gruppenentwicklung nutzen wir in unserer Pädagogik von Herzen darum die neurowissenschaftliche Erkenntnis über die Spiegelneuronen, der Empathie.

 

Beobachten wir Handlungen anderer Menschen, werden in uns die gleichen Gehirnareale aktiviert wie bei der handelnden Person. Somit beeinflussen wir uns gegenseitig und stellen sogar ein Modell füreinander dar. Dies gilt gleich für unsere Teilnehmer*innen und uns Trainer*innen und gibt uns die Möglichkeit, soziale Veränderung anzustoßen.

 

Hier ist eine Rückmeldung, also das Feedback, ein wertvolles Geschenk: Spiegelt es doch das eigene Verhalten und die Auswirkung auf andere und hilft, Unbewusstes bewusst zu machen.

 

So kann die Rückmeldung, dass die Kommunikation über Schimpfwörter oder andere Ausdrücke von Gewalt Konflikte hervorbringt, dazu führen, im nächsten Schritt darauf zu verzichten. Auch der Austausch über die Frage nach dem individuellen Befinden unserer Teilnehmer*innen öffnet neue Wege.

 

Damit Veränderung über soziales Lernen geschieht, muss sie als bereichernd empfunden werden.[1]

 

Unser Rollenverständnis als Trainer*innen leistet hier einen entscheidenden Beitrag.

Etwa über verbalisierte Emotionen, die Achtsamkeit im Umgang mit unseren Teilnehmer*innen und die wertschätzende Atmosphäre in unseren Angeboten, schaffen wir einen ansprechenden Rahmen, der den/ die Einzelne so annimmt wie sie/*er ist.

 

Die Gruppe ist gleichzeitig als kleinste Form der Gesellschaft zu sehen. So haben die Impulse zur Persönlichkeits- und Gruppenentwicklung auch ökologische, gesamtgesellschaftliche und politische Dimension.

Erkennen Teilnehmer*innen Missstände in ihrer Gruppe, sind sie in der Lage, diese zu äußern und ihre Gruppenmitglieder ebenso davon betroffen zu machen, führt dies dazu, für eine Sache einzustehen und Verantwortung übernehmen zu wollen. Dies ebnet ihnen den Weg zu einem (umwelt-) politischen Engagement.[2]


[1]vgl. Rutkowski, M. (2015):  S. 30.

[2] vgl. Reiners, A. (2009). 25 ff.

 


  • unmittelbare Räumen

Unter „un-mittel-baren“ verstehen wir in erster Linie die Natur. Der Wert naturnaher Räume liegt für uns in seiner Echtheit. Es gibt hier keinen Mittler, keine andere Person, die über Falsch und Richtig entscheidet. Hier ist die Erfahrung des amerikanischen Poeten, Philosophen und Pädagogen Henry David Thoreau (1817-1862) für unsere Arbeit inspirierend. So zog er sich zurück an den Walden See in Massachutes, Amerika, um dort „dem eigentlichen wirklichen Leben näherzutreten, um zu lernen, was es zu lernen hatte[…]“[1]. In diesem einfachen und wirklichen Leben betont er immer wieder den Wert der Unmittelbarkeit, den Raum für eigene Erfahrungen, Lernen durch Versuch und Irrtum und möglichst reale Situationen.[2]

 

In unmittelbaren Räumen erfolgt eine direkte Rückmeldung über unsere Handlungen. Falle ich etwa bei einer Bachüberquerung durch mein riskanten Vorgehens ins Wasser, werde ich nass. Ich kann also einen direkten Schluss auf mein Verhalten für die Zukunft ziehen: „Das nächste Mal bin ich achtsamer.“

 

Auch bieten uns unmittelbare oder unstrukturierte Räume Offenheit. Die Offenheit der Umgebung ermöglicht freie und vielfältige Interpretationsmöglichkeiten. Jeder Mensch kann entsprechend seinen Wünschen, Vorstellungen, (Lebens)-themen eine Antwort für sich finden. Naturmaterialien wie etwa ein Stock tragen mindestens so viele Bedeutungen wie es Träger dieses Stockes gibt.

 

Geschlossener in der Interpretation sind daher ein Raum mit Stühlen, einem Tisch oder einer Tafel. Gleichzeitig ermöglichen wir gerade auch in einem voller Medien strotzenden Seminarraum unsere Angebote. Für eine Erfahrung mit persönlichkeitsentwickelndem Potential braucht es ‘lediglich‘ die Offenheit unsrer Teilnehmer*innen. Offen bin ich an dem Ort, wo ich mich wohlfühle, wo ich in meiner Komfortzone bin. Da dieser Ort für jeden Menschen verschieden ist, reicht unser Wirkungsort vom Medienraum bis zur der mit Moos bedeckten Eiche.


[1] Thoreau (1971): S.184.

[2] Heckmair & Michl (2004): S.29.